Licht aus – Spot an. Vorhang auf!

Gänsehaut!

Mein erstes Konzert habe ich am 16.4.1987 in der Berliner Deutschlandhalle besucht. Duran Duran! Zwei Jahre später stand ich selbst mit eigenen Bands und eigener Musik auf Berliner Clubbühnen. Parallel dazu studierte ich Volkswirtschaftslehre. Während des Studiums habe ich mir neben volkswirtschaftlichen Themen vor allem Herangehensweisen, also Methodik zu eigen gemacht und zum Ausgleich in der Deutschlandhalle bei Konzerten und anderen Veranstaltungen für das Merchandising gesorgt.

Merchandising

Oliver Duderstädt

Programmheftverkauf im Friedrichstadtpalast Berlin anno 1993, Revue „Jazz Legs“

Es war eine großartige Zeit. Tagsüber Universität, Abends Tourneehefte, T-Shirts und weitere Devotionalien verkaufen. Dann noch kurz einen Blick in die Arena werfen und am Abend mit damals ordentlichem Aushilfslohn nach Hause ins Bett fallen.

Anfangs waren es Konzerte, für die wir verkauften. Frank Sinatra, Bon Jovi, Liciano Pavarotti, Udo Jürgens, New Kids On The Block etc. Später kamen große Family-Shows wie z.B. Holiday On Ice, C.H.I. Reit- und Springturnier, Menschen, Tiere, Sensationen oder auch der ADAC Supercross hinzu. Und neben der Deutschlandhalle kamen des ICC, die Waldbühne, die Wuhlheide und der Friedrichstadtpalast hinzu.

Stets habe ich mich dabei gefragt:

  • Wie funktioniert das eigentlich alles?
  • Warum spielt am einen Abend Sting und tags darauf laufen Olympiasieger und Weltmeister am selben Ort, in der selben Halle, auf der gleichen Fläche übers Eis?
  • Wer ist dafür eigentlich verantwortlich?
  • Wann passiert so ein Umbau und wer baut physisch um?
  • Welche Art von Organisation ist hierfür erforderlich und wer bezahlt diese eigentlich?
  • Welche Rolle spielt die Location in diesem Kontext?
  • Und überhaupt: Wem fließen die Ticketeinnahmen des Konzertes eigentlich zu, wenn in Block 3 und 4 die Holzplanken und Türscharniere derart knarrten und quietschten, und ich mich fragte, ob die in den letzten 47 Jahren nach Kriegsende jemals ausgetauscht oder einfach nur geölt wurden?

Es entstand über die Jahre im wahrsten und besten Sinne des Wortes ein Stallgeruch* und eine echte Leidenschaft für das  Thema Halle – Veranstaltung – Organisation – Wirtschaftlichkeit.

*Stallgeruch: Die so genannte Vorhalle der Deutschlandhalle wurde zum Reit- und Springturnier C.H.I. und bei Menschen Tiere, Sensationen MTS immer zum Stall umfunktioniert und deshalb Abreithalle genannt. Dieser Geruch ist schon sehr speziell. Kein Waschmittel scheint dagegen anzukommen.

Trotz der langen Zeit bekomme ich noch heute wie damals Gänsehaut, wenn um 20 Uhr das Licht in der Halle erlischt (Black-Out), Künstler die Bühne betreten und die ersten Töne erklingen. Dieser Moment ist magisch! Einerseits, weil ich ihn auch von der Bühne aus kenne aber und vor allem, weil ich weiß, was Backstage durch so viele Mitarbeiter für diesen Augenblick und die dann folgenden 2-3 Stunden alles getan werden musste. Für diesen einen, kurzen Moment herrschte dann eine große Genugtuung und ein Erfolgserlebnis. Eine tausendfache Wertschätzung meiner Tätigkeit durch den Künstler, die Technik, die Mitarbeiter und Fans. Keiner davon ist extra meinetwegen gekommen. Natürlich nicht. Aber äußerst frech schnitt ich mir stets einen Teil dieser gebündelten Energie ab.  

Nach über 22 Jahren fand ich die Antworten auf die damaligen Fragen. Welche das sind, lade ich Sie ein, auf meiner Blog-Seite nach und nach zu verfolgen. Es liegt auf der Hand, dass die Antworten mit meinen unterschiedlichen Tätigkeiten im Umfeld und Umgang mit Veranstaltungsstätten und ihrem Betrieb zu tun haben.

Event Manager/ Projektleiter

Zunächst organisierte ich Veranstaltungen. Aus der Perspektive des Betreibers einer Veranstaltungsstätte bedeutete das nach damaliger und noch heutiger Philosophie, den Kunden vom Erstkontakt, über die Durchführung seiner Veranstaltung bis zur Abrechnung persönlich zu betreuen, zu begleiten und zu unterstützen. Es ging dabei um die Einbettung der Veranstaltung in die Prozesse der Veranstaltungsstätte, um die Vorbereitung des Gebäudes auf die anstehende Veranstaltung. Nur – welche Prozesse? Zu diesem Zeitpunkt war die Deutschlandhalle bereits geschlossen und ich arbeitete in der neuen Max-Schmeling-Halle und im Velodrom in Berlin. Ich war Teil der gesamten Organisation, die den Betrieb der Hallen gerade erst aufnahm. Alles war neu, groß und die Öffentlichkeit war nicht begeistert darüber, dass es die Deutschlandhalle nie mehr geben würde. Ich war als Veranstaltungsleiter Teil des neu formierten Betreibers. Ich war angekommen. Endlich konnte ich richtig hinter die Kulissen blicken. Was sich fortan Betrieb einer Location, Venue, Arena oder Halle nannte, war letztlich der Betrieb einer kompletten Immobilie. Wow! Immobilie! Das klingt wirklich groß.

Projektleiter Projektentwicklung und Eigenveranstaltungen, Berater

Nach 6 Jahren begann ich dann 2004, die Erfahrungen aus dem Berliner Betrieb auf weitere, bestehende und neue Veranstaltungsstätten innerhalb Deutschlands anzupassen, zu übertragen und einzuführen. Und seit der sogenannten Goldgräberzeit im Hallen- Arena- und Stadionbau, also der Zeit im Vorfeld der Fußball WM 2006 in Deutschland, konzipiere ich im Rahmen von PPP Bewerbungsverfahren und als Berater Möglichkeiten und Formen eines erfolgreichen Veranstaltungsbetriebs und den dafür erforderlichen Grundlagen des Gebäudes und Gebäudebetriebs.

Und warum das alles?

Wegen der Gänsehaut bei „Black-Out“ um 20 Uhr! Wegen unzähliger, vergleichbarer Momente, wenn Türen und Tore für Gäste geöffnet werden.

Von meinen 22 Jahren Erfahrungen, meinem Wissen, meinen Herangehensweisen und Methoden möchte ich etwas weitergeben. Öffentlich und individuell. Mit dieser Internetseite möchte ich zum Austausch mit denjenigen anregen, die sich ähnliche Fragen stellen oder stellten, die eine Faszination mit Veranstaltungsstätten verbindet oder die sich mit Fragen zur Veranstaltungsimmobilie und zum Veranstaltungsmanagement beschäftigen. Ich werde mit meinen Erkenntnissen, Einlässen, Vorschlägen und Ansätzen zum Überwinden der ein oder anderen Hürde und zur Beantwortung vieler Fragen im privatwirtschaftlichen wie auch kommunalen Kontext beitragen.